Von Ausgrenzung über Integration zur Inklusion
Am Mittwoch, dem 26.10.2011 besuchten wir während unserer Studienfahrt den Bund Deutscher Pfadfinder in Berlin-Kreuzberg. Dort trafen wir Ede Glittenberg und seine Praktikantin Vanessa Di Meglio Lopez. Sie klärten uns über ihre Arbeit auf. Ede Glittenberg, selbst Vater eines Sohnes mit Asperger Autismus, arbeitet seit 38 Jahren im Bereich der sozialen Arbeit und übernahm 1986 die Leitung des Integrationsprojekts im Bund Deutscher Pfadfinder. Sie bieten ein buntes Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 6 und 18 Jahren.
Es werden so genannte behinderte Kinder und nicht-behinderte Kinder gemischt und betreut. Begründet hat es der Leiter damit, dass auch behinderte Kinder die gleichen Interessen und Wünsche haben wie nicht-behinderte Kinder und es somit gar keinen Unterschied im Dasein gibt. Der Verein ermöglicht sechsmal die Woche ein buntgemischtes Freizeitangebot in Kreuzberg. Das Freizeitprogramm geht von Montag bis Freitag von 14.00 bis 19.00 Uhr sowie samstags von 13.00 bis 17.00 Uhr. Hier wird fast jeden Tag zusammen gekocht und gegessen und viermal die Woche gibt es ein offenes Programm, bei dem spontan entschieden wird, was am Nachmittag gemacht wird. Dazu kommen noch verschiedene Tagesangebote wie Judo, drucktechnische Verfahren, Graffiti, Stadtcamper - Naturerleben für „ALLE“ und ein Bandprojekt. Es kommen durchschnittlich 30 Kinder pro Tag.
Es arbeiten pro Tag drei bis vier Betreuer, die bis auf den Leiter Herr Glittenberg allesamt halbtags arbeiten. Die Qualifikationen sind unterschiedlich, sie gehen von Sozialpädagogen bis zu Quereinsteigern, denn Herr Glitternberg betonte auch, dass sie besonders auf handwerkliches Geschick, Kreativität und musikalische Kompetenzen Wert legen.
Das Einzugsgebiet der Kinder beschränkt sich nicht nur auf Kreuzberg oder die anliegenden Stadtteile sondern umfasst ganz Berlin, sogar bis nach Brandenburg. Ausschlaggebend für dieses inklusive Projekt war eine Reise nach Schweden, bei der sich auf einmal drei Kinder mit Behinderung angemeldet hatten und mitgefahren sind. Nach dieser Reise gab es Kritik von höheren Stellen, in ihren Augen war die Reise unverantwortlich und sollte doch lieber von der Lebenshilfe oder andere Institutionen, die sich auf Menschen mit Behinderung spezialisiert haben, angeboten werden. Eltern von Kindern ohne Behinderung, deren Kinder an dieser Reise teilgenommen hatten, sahen allerdings keine Probleme und gaben sogar positives Feedback. Eltern von Kindern mit Behinderung forderten im gleichen Zuge ein größeres Angebot für ihre Kinder. Bei den Integrationsreisen führte die erste Reise mit behinderten Kindern nach Norwegen, bis heute hat sich dann das Volumen der Reisen auf jährlich 150 Kinder erhöht, 70 mit und 80 ohne Behinderung, darunter eine große Sommerreise nach Schweden.
Finanziell wird der Verein vom Berliner Senat unterstützt mit einem Beitrag von 100.000 Euro. Insgesamt braucht der Verein um die jetzigen Strukturen zu erhalten aber 160.000 Euro, welche er durch verschiedene Stiftungen erhält. Auch ist es möglich Fördergelder zu gewinnen, wie der Verein es letztes Jahr bekam, als er den 1. Platz belegte als bestes Sozialprojekt in Berlin.
Im Ganzen ein Projekt, das uns sehr Interessiert hat. In gewisser Weise kann es für uns eine Inspiration sein, aus nichts etwas sehr Nützliches erschaffen zu haben, wie es Herr Glittenberg getan hat. Aus einer Lücke in der Behindertenarbeit ein integratives Projekt zu schaffen und dieses über Jahre hinweg nicht nur zu erhalten sondern sogar noch zu erweitern, ist für uns ein Zeichen, dass Veränderung und Entwicklung in der Behindertenarbeit nicht unmöglich ist und Ziel unserer zukünftigen Arbeitsweise sein muss.
Text: M. Both, S. Brandt, M. Phieler























